GfA - Der Podcast

Denken mit System: KI, Kommunikation, Organisation und Recht

Handy hoch: Fotos, Folien und Mitschnitte

Urheberrecht im Seminar, Teil 2: Was Teilnehmer dürfen und worauf Veranstalter achten sollten

30.10.2022 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

Beschreibung 
Eine Folie mit einer guten Grafik erscheint, und im Saal gehen zehn Handys gleichzeitig nach oben. Das ist so selbstverständlich geworden, dass kaum jemand darüber nachdenkt. Ganz frei ist es trotzdem nicht, und spätestens wenn das Foto in der Gruppe oder im Netz landet, wird es heikel. 
Diese Folge klärt drei Fragen. Was dürfen Teilnehmer fotografieren, von den Folien und von den Menschen davor? Was muss eine Referentin beachten, wenn sie fremde Bilder in ihren Folien zeigt? Und was sollten Veranstalter tun, damit es gar nicht erst zum Streit kommt? Dazu ein Fall, der bis zum Europäischen Gerichtshof ging: ein Schülerreferat mit einem Foto aus dem Netz. 
Teil 2 von 4 der kleinen Reihe zum Urheberrecht rund um Vorträge, Seminare und Mitschnitte. Neufassung 2026, Rechtsstand Oktober 2026. Die Folge ersetzt keine Rechtsberatung, sie soll für das Thema sensibilisieren. 
Der Streaming-Inhalt ist nicht verloren: Er kommt korrigiert in Folge 08, “Der Vortrag im Netz”. 

 
GfA – Der Podcast 
Der deutschsprachige Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. Die Themen wechseln, im Wesentlichen geht es zurzeit um das Bewusstsein der Maschinen: Was Kybernetik und Systemtheorie zu Fragen nach Bewusstsein, Kommunikation und künstlicher Intelligenz beitragen können. Die Folgen bauen aufeinander auf, du kannst aber auch einzeln einsteigen. 
Von Brigitte E. S. Jansen. Gesprochen wird die Reihe von einer synthetischen Stimme. 

 Eine Folie mit einer guten Grafik erscheint, und im Saal gehen zehn Handys gleichzeitig nach oben. Das ist so selbstverständlich geworden, dass kaum jemand darüber nachdenkt. Ganz frei ist es trotzdem nicht, und spätestens wenn das Foto in der Gruppe oder im Netz landet, wird es heikel. 
Diese Folge klärt drei Fragen. Was dürfen Teilnehmer fotografieren, von den Folien und von den Menschen davor? Was muss eine Referentin beachten, wenn sie fremde Bilder in ihren Folien zeigt? Und was sollten Veranstalter tun, damit es gar nicht erst zum Streit kommt? Dazu ein Fall, der bis zum Europäischen Gerichtshof ging: ein Schülerreferat mit einem Foto aus dem Netz. 
Teil 2 von 4 der kleinen Reihe zum Urheberrecht rund um Vorträge, Seminare und Mitschnitte. Neufassung 2026, Rechtsstand Oktober 2026. Die Folge ersetzt keine Rechtsberatung, sie soll für das Thema sensibilisieren. 
Der Streaming-Inhalt ist nicht verloren: Er kommt korrigiert in Folge 08, “Der Vortrag im Netz”. 

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Transkript

Eine Produktion der Gesellschaft für Arbeitsmethodik. Heute: Handy hoch – Fotos, Folien und Mitschnitte. Teil zwei von vier zum Urheberrecht rund um Vorträge, Seminare und Mitschnitte. Wer in den letzten Jahren auf Tagungen war, kennt den Moment. Eine Folie erscheint, eine mit einer Grafik oder einer Übersicht, die man gern hätte. Und im Saal gehen zehn, fünfzehn Handys gleichzeitig nach oben. Das ist so selbstverständlich geworden, dass kaum jemand darüber nachdenkt. Und es ist tatsächlich auch nicht ganz so streng geregelt wie das Filmen, um das es im ersten Teil ging. Ganz frei ist es aber auch nicht. Und spätestens, wenn das Foto in der Messenger-Gruppe oder auf einer Plattform landet, ist man in einem anderen Bereich. Heute geht es um drei Fragen. Was dürfen Teilnehmer fotografieren? Was muss die Referentin beachten, wenn sie fremde Bilder in ihren Folien zeigt? Und was sollten Veranstalter tun, damit es gar nicht erst zum Streit kommt? Zuerst, ganz knapp, das Ergebnis aus Teil eins. Wer einen öffentlichen Vortrag filmt oder als Ton aufnimmt, braucht die Einwilligung des Vortragenden. Das gilt auch dann, wenn die Aufnahme nur für ihn selbst ist. So steht es in Paragraf 53, Absatz 7 des Urheberrechtsgesetzes. Und bei nicht öffentlichen Veranstaltungen kommt für Tonaufnahmen das Strafrecht ins Spiel, das die Vertraulichkeit des nichtöffentlich gesprochenen Wortes schützt. Das Video ist also geklärt. Beim Foto wird es kniffliger. Wer eine Folie fotografiert, stellt eine Vervielfältigung her. Und auf der Folie steckt meistens etwas Geschütztes: ein Text, ein Foto, eine Grafik, ein Diagramm. Hilft hier die Privatkopie? Paragraf 53 erlaubt einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch. Wie viele "einzelne" sind, sagt das Gesetz nicht. Der Bundesgerichtshof hat schon 1978 einmal bis zu sieben Stück für noch zulässig gehalten, in der Fachliteratur werden teils weniger genannt. Für ein Handyfoto spielt das keine Rolle, das ist ein einziges Exemplar. Die eigentliche Frage ist eine andere. Fällt ein einzelnes Foto einer Folie unter die strenge Regel für Aufnahmen öffentlicher Vorträge, oder ist es eine gewöhnliche Privatkopie? Das ist, ehrlich gesagt, nicht abschließend geklärt. Eine Hamburger Hochschule formuliert es in ihren Hinweisen für Studierende so: nicht abschließend geklärt, aber vieles spricht dafür, dass das einzelne Foto für den eigenen Gebrauch zulässig ist. Ganz klar ist dagegen, wo die Grenze liegt. Sobald das Foto weitergeht, ist es nicht mehr privat. Wer die Folie an eine Gruppe mit fünfzig Kolleginnen und Kollegen schickt oder sie in einem sozialen Netzwerk postet, macht sie öffentlich zugänglich. Und das darf nur, wer die Rechte daran hat. Dazu kommt das Hausrecht. Der Veranstalter kann für seine Räume und seine Veranstaltung festlegen, dass nicht fotografiert wird. Steht das in der Einladung oder wird es vorne angesagt, dann gilt es, ganz gleich, wie die urheberrechtliche Feinfrage am Ende ausgeht. Und ganz praktisch: Sehr viele Referentinnen stellen ihre Folien ohnehin zur Verfügung, wenn man fragt. Dann hat man sie auch in besserer Qualität als schräg fotografiert aus der achten Reihe. Jetzt zu einer anderen Art von Foto. Nicht die Folie, sondern die Person, die davorsteht. Hier geht es nicht um das Urheberrecht, sondern um das Recht am eigenen Bild. Geregelt ist es im Kunsturhebergesetz von 1907, das in diesem Teil bis heute gilt. Und da gibt es eine Feinheit, die oft übersehen wird. Das Gesetz verbietet nicht das Fotografieren. Es regelt, wann Bilder von Personen verbreitet oder öffentlich gezeigt werden dürfen. Und das ist grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten erlaubt. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel für Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte oder für Bilder von Versammlungen und ähnlichen Vorgängen, auf denen die Menschen als Teil des Geschehens zu sehen sind. Eine Referentin, die auf einer öffentlichen Fachtagung auf der Bühne steht, kann sich je nach Lage nicht gegen jedes Foto von dieser Bühne wehren. Der Teilnehmer in der dritten Reihe aber, der in Großaufnahme beim Gähnen zu sehen ist, kann das sehr wohl. Seit 2018 kommt die Datenschutz-Grundverordnung hinzu. Für rein private Fotos spielt sie keine Rolle, denn der ausschließlich persönliche und familiäre Bereich ist ausgenommen. Für Veranstalter, die selbst fotografieren lassen und die Bilder auf ihrer Website oder im Jahresbericht zeigen wollen, sieht das anders aus. Sie brauchen eine Rechtsgrundlage, und sie müssen die Teilnehmenden informieren. Deshalb findet man heute in vielen Einladungen und am Eingang von Tagungen einen Hinweis, dass fotografiert wird, oft verbunden mit der Möglichkeit, sich herauszuhalten. Jetzt drehen wir die Perspektive um. Nicht die Teilnehmer machen etwas mit dem Vortrag, sondern die Referentin macht etwas mit den Werken anderer. Kaum eine Präsentation kommt ohne fremde Bilder aus. Ein Foto aus dem Netz, eine Grafik aus einer Studie, ein Cartoon, der die Stimmung lockert. Für all das braucht die Referentin grundsätzlich eine Erlaubnis. Bei Stockfotos hat sie die meist über die Lizenz, wobei es sich lohnt, diese Lizenz einmal genau zu lesen. Nicht jede deckt die Verwendung in Vorträgen, und noch seltener die in Aufzeichnungen, die hinterher im Netz stehen. Ohne Erlaubnis geht es vor allem in zwei Fällen. Der erste ist das Zitat. Paragraf 51 erlaubt es, veröffentlichte Werke zu nutzen, wenn das in seinem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Wichtig ist das Wort Zweck. Ein Zitat muss etwas belegen oder erläutern, man muss sich mit dem Zitierten auseinandersetzen. Ein Foto als hübscher Hintergrund ist kein Zitat. Eine Grafik aus einer Studie, die ich zeige, weil ich ihre Aussage diskutiere, kann eines sein. Seit 2021 steht übrigens ausdrücklich im Gesetz, dass das Zitatrecht auch die Abbildung des zitierten Werkes umfasst, selbst wenn diese Abbildung ihrerseits geschützt ist. Wer also ein Gemälde zitiert, darf dafür auch das Foto des Gemäldes zeigen. Und immer gehört die Quelle dazu, gut lesbar auf der Folie. Der zweite Fall ist die öffentliche Wiedergabe bei nichtkommerziellen Veranstaltungen. Paragraf 52 erlaubt sie, wenn die Veranstaltung keinem Erwerbszweck dient, die Teilnehmer keinen Eintritt zahlen und die Vortragenden keine besondere Vergütung bekommen. Das klingt nach einem Freibrief für Vereine. Ganz so ist es aber nicht. Erstens ist auch dann eine angemessene Vergütung an die Urheber zu zahlen. Davon befreit sind nur bestimmte soziale Veranstaltungen, etwa der Jugendhilfe, der Altenpflege oder der Gefangenenbetreuung, wenn sie nur einem abgegrenzten Kreis offenstehen. Zweitens gilt die Erlaubnis nicht für alles. Das Online-Stellen und die Vorführung von Filmwerken sind ausdrücklich ausgenommen. Und sobald eine Teilnahmegebühr erhoben wird oder die Referentin ein Honorar bekommt, ist diese Ausnahme ohnehin vom Tisch. Wie schnell man von der erlaubten in die unerlaubte Nutzung rutscht, zeigt ein Fall, der bis nach Luxemburg gegangen ist. Eine Schülerin an einer Schule in Nordrhein-Westfalen schrieb für die Spanisch-AG ein Referat. Darin verwendete sie ein Foto der Stadt Córdoba, das sie auf der Website eines Reisemagazins gefunden hatte. Dort stand es mit Erlaubnis des Fotografen, frei für jeden abrufbar. Unter dem Referat stand sogar ein Hinweis auf die Quelle. Die Schule fand das Referat gelungen und stellte es auf ihre Website. Der Fotograf klagte gegen das Land Nordrhein-Westfalen. Und der Europäische Gerichtshof gab ihm im August 2018 recht. Wer ein Foto, das irgendwo mit Erlaubnis im Netz steht, herunterlädt und auf einer anderen Website wieder hochlädt, macht es einem neuen Publikum zugänglich. Dafür braucht er eine eigene Erlaubnis. Dass das Bild woanders frei abrufbar war, ändert daran nichts. Der Bundesgerichtshof hat das Anfang 2019 umgesetzt. Der Fotograf bekam seinen Unterlassungsanspruch gegen das Land. Schadensersatz vom Land bekam er am Ende übrigens nicht, aus Gründen der Staatshaftung, die hier zu weit führen würden. Was man daraus lernen kann: Im Klassenzimmer, im Unterricht selbst, wäre das Referat mit dem Foto kein Problem gewesen. Dafür gibt es die Ausnahme für Unterricht und Lehre. Das Problem war allein der Schritt ins offene Netz. Und genau dieser Schritt passiert bei Vorträgen ständig. Die Folien, die im Saal völlig in Ordnung waren, werden hinterher als PDF auf die Website gestellt. Mit allen fremden Bildern darin. Wer ein Urheberrecht verletzt, muss damit rechnen, dass der Rechteinhaber Beseitigung und Unterlassung verlangt, und wenn ihn ein Verschulden trifft, auch Schadensersatz. In der Praxis läuft das meist über eine Abmahnung. Bei Bildern im Netz kann das teuer werden, weil bei einer berechtigten Abmahnung zum Schadensersatz auch noch die Anwaltskosten der Gegenseite kommen können. Beim Recht am eigenen Bild geht es vor allem um Unterlassung und Löschung. Und wer haftet? Zuerst der, der die Verletzung begangen hat, also der Teilnehmer, der filmt oder postet. Ob und wann daneben auch der Veranstalter haftet, hängt vom Einzelfall ab. Er hat aber das Hausrecht. Er kann auf die Regeln hinweisen, er kann einschreiten, und wer nach einer Ansprache einfach weitermacht, kann im äußersten Fall der Veranstaltung verwiesen werden. Zum Schluss das Praktische. Wenn du Vorträge oder Seminare organisierst, kannst du mit wenig Aufwand das meiste vermeiden. Kläre mit den Referenten vorher schriftlich, was mit ihrem Vortrag passiert. Wird aufgezeichnet? Wird gestreamt? Werden die Folien an die Teilnehmer verschickt oder online gestellt? Eine kurze E-Mail und eine kurze Zusage genügen. Je genauer, desto besser, denn im Zweifel gilt eine Erlaubnis nur für das, wofür sie erkennbar gedacht war. Zweitens: Schreib in die Einladung, ob Teilnehmer fotografieren oder mitschneiden dürfen. Ein Satz reicht. Drittens: Wenn du selbst fotografieren lässt, weise in der Einladung und am Eingang darauf hin. Und frag bei Nahaufnahmen, bevor du sie veröffentlichst. Viertens: Bitte die Referenten, bei fremden Bildern in den Folien die Rechte zu klären, vor allem, wenn die Folien hinterher online gehen sollen. Und fünftens: Wenn jemand trotzdem filmt, sprich ihn an. Freundlich. In den meisten Fällen hat er schlicht nicht darüber nachgedacht. Im dritten Teil geht es um den nächsten Schritt. Was passiert, wenn ein Vortrag nicht nur im Saal stattfindet, sondern gestreamt wird und als Aufzeichnung im Netz steht? Darf ein anderer Veranstalter diesen Stream bei sich zeigen? Und was ist eigentlich mit alten Tonbändern? Das war "Handy hoch – Fotos, Folien und Mitschnitte", Teil zwei von vier zum Urheberrecht rund um Vorträge, Seminare und Mitschnitte, im Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik. Ein Hinweis, der bei diesem Thema dazugehört: Die Folge gibt einen Überblick nach dem Rechtsstand vom Oktober 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Die Paragrafen und Urteile, auf die ich mich beziehe, findest du in den Shownotes. Diese überarbeitete Folge wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz überarbeitet – bei der Recherche, beim Schreiben und beim Sprechen. Ausgewählt, geprüft und verantwortet hat sie ein Mensch. Wenn dir etwas fehlt oder dir ein Fehler auffällt: schreib uns. Einwände greifen wir in späteren Folgen auf. Alle Folgen findest du auf gfa-ev.com. Und auf gfaev.de findest du den Verband und unsere übrigen Podcastreihen. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich auf dich.

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