GfA - Der Podcast

Denken mit System: KI, Kommunikation, Organisation und Recht
 GfA – Der Podcast greift aktuelle, gesellschaftlich relevante und zugleich zeitlose Themen aus Arbeitswelt, Technologie, Recht, Wissenschaft und Kultur auf. Der Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. verbindet unterschiedliche Perspektiven und ordnet Entwicklungen ein, die unsere Arbeits- und Lebenswelt verändern. 
Die Themen reichen von Künstlicher Intelligenz und digitaler Transformation über gesellschaftliche und ökologische Fragen bis zu rechtlichen, wirtschaftlichen und methodischen Aspekten. Einzelne Themen werden dabei auch in mehrteiligen Reihen vertieft. 
Regelmäßig neue Episoden bieten Hintergrundwissen, Denkanstöße und Orientierung – sachlich, interdisziplinär und mit Blick auf die Entwicklungen von heute und morgen.
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Der stille Leser

Das Bewusstsein der Maschinen - 10

05.11.2026 26 min

Eine Folge über zwei Fußnoten, und über eine Korrektur. Gegen die aufgeräumte Erzählung von den getrennten Theoriekontinenten, französisches Denken hier, deutsche Systemtheorie dort, verbunden nur durch Übersetzungen und Rezeptionswellen, legt diese Folge die Belege vor: Luhmann zitiert Michel Serres in „Beobachtungen der Moderne" (1992) auf Seite 218 in Fußnote 90, gemeinsam mit Douglas Hofstadter, dem Verfasser von „Gödel, Escher, Bach"; und er zitiert Deleuzes „Logique du sens" im französischen Original in „Die Gesellschaft der Gesellschaft" (1997) auf Seite 44 in Fußnote 44, also genau dort, wo er den Begriff des Sinns errichtet.
Aus der Nachbarschaft und der Fundstelle wird gelesen, wie Luhmanns Zettelkasten sortierte, nämlich nach Problemen und nicht nach Pässen. Anschließend wird sein Sinnbegriff entwickelt, Sinn als Medium der Einheit von Aktualität und Möglichkeitshorizont, und darin die beiden Grenzen aus Folge 09 wiedergefunden: der Möglichkeitsüberschuss als Serres' Ozean, der blinde Fleck der Operation als Deleuzes Loch. Daraus folgt Luhmanns radikale Antwort auf die Leitfrage der Reihe: Kein Sinnsystem begegnet je dem Unsinn als solchem, denn Sinn ist ein Medium ohne Negation; das Außen kommt nur angezogen an, als Irritation, also als Eigenzustand des Systems, und als unsichtbar gemachte Paradoxie. Luhmann erscheint damit als der große Domestizierer beider Grenzen, wobei das Urteil darüber ausdrücklich für die letzte Folge aufgespart wird.
Es folgt die Methodenlehre der Folge: Gedanken reisen nicht über Kontinente, sondern über Leser; die wirkliche Karte des Denkens ist eine Karte von Schreibtischen, und die Fußnote ist das Kielwasser einer stillen Überfahrt. Zum Schluss wird das Geständnis vom Anfang eingelöst: Warum eine an der Vorbereitung beteiligte Maschine die falsche Erzählung flüssig reproduzierte, weil der Chor der zehntausend Wiederholungen die zwei Fußnoten statistisch millionenfach aufwiegt, und wie eine Leserin mit den Büchern das unterbrach. Nach Luhmanns eigener Definition war das Kommunikation, und diese Kommunikation hat gelernt.


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