GfA - Der Podcast

Denken mit System: KI, Kommunikation, Organisation und Recht

Welche Blockchain für welchen Zweck?

Blockchain, Teil 2: öffentlich, privat, Konsortium, hybrid und die zweite Schicht

11.12.2022 11 min

Zusammenfassung & Show Notes

 
GfA – Der Podcast 
Der deutschsprachige Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. Die Themen wechseln, im Wesentlichen geht es zurzeit um das Bewusstsein der Maschinen: Was Kybernetik und Systemtheorie zu Fragen nach Bewusstsein, Kommunikation und künstlicher Intelligenz beitragen können. Die Folgen bauen aufeinander auf, du kannst aber auch einzeln einsteigen. 
Von Brigitte E. S. Jansen. Gesprochen wird die Reihe von einer synthetischen Stimme. 

 
Bei der Blockchain denken die meisten zuerst an Bitcoin, also an ein öffentliches Netz, bei dem jeder mitmachen kann. Aber es gibt mehr: private Blockchains, die eine einzelne Organisation betreibt, Konsortien, in denen sich mehrere Unternehmen ein Register teilen, hybride Lösungen und zusätzliche Schichten, die eine Blockchain schneller und billiger machen sollen. 
In dieser Folge sortieren zwei einfache Fragen das Feld: Wer darf lesen, und wer darf schreiben? Dazu kommen Beispiele aus der Praxis, auch die Projekte großer Banken, Börsen und Reedereien, die gescheitert sind, und warum es dabei selten an der Technik lag. Am Ende steht eine Faustregel, welche Form für welchen Zweck taugt und wann eine gewöhnliche Datenbank die bessere Wahl ist. 
Teil 2 von 2 zur Blockchain. Neufassung 2026, Stand Oktober 2026. Die Folge ersetzt keine Finanzberatung. 

 Mehr von der Gesellschaft für Arbeitsmethodik 
Der Verein und seine übrigen Angebote: gfaev.de 
Unsere anderen Podcastreihen: 
GfA – Der Podcast · Die Reihe "Das Bewusstsein der Maschinen", ausführlicher und mit mehr Theorie im Rücken: gfa-ev.com 
Beyond the Algorithm (englisch) · Kybernetik und Systemtheorie, ein Denker pro Folge, geprüft an heutigen Systemen: bta.global-future-association.com 
GfA Kulturwelten · Kunst, Musik und Kulturgeschichte, unter anderem eine Reihe zur Geschichte des Tango Argentino: kulturwelten.gfaev-online.com 
 GfA- Aktuelle und historische Vorträge · aus dem Verband: gfa-web.de 
Wenn dir etwas fehlt oder dir ein Fehler auffällt, schreib uns. Einwände greifen wir in späteren Folgen auf. 

Transkript

GfA – Der Podcast. Eine Produktion der Gesellschaft für Arbeitsmethodik. Heute: Welche Blockchain für welchen Zweck? Teil zwei von zwei zur Blockchain. Im ersten Teil ging es darum, wie eine Blockchain funktioniert: Blöcke, Fingerabdrücke, Konsens. Als Beispiel diente meistens der Bitcoin, eine Blockchain, bei der jeder mitmachen kann. Das ist aber nur eine von mehreren Bauformen. Heute geht es um die anderen: um private Blockchains, um Zusammenschlüsse mehrerer Unternehmen, um hybride Lösungen und um zusätzliche Schichten, die eine Blockchain schneller machen sollen. Und am Ende um die Frage, welche Form wofür taugt. Um Blockchains auseinanderzuhalten, helfen zwei Fragen. Erstens: Wer darf lesen? Und zweitens: Wer darf schreiben, also neue Blöcke erzeugen und bestätigen? Darf jeder lesen, spricht man von einer öffentlichen Blockchain, sonst von einer privaten. Darf jeder ohne Erlaubnis mitschreiben, nennt man das genehmigungsfrei, auf Englisch permissionless. Braucht man dafür eine Zulassung, heißt es genehmigungspflichtig, auf Englisch permissioned. Im Alltag wird beides gern vermischt. Es lohnt sich aber, die Fragen getrennt zu stellen. Denn es gibt auch Blockchains, die jeder lesen kann, in die aber nur ausgewählte Teilnehmer schreiben dürfen. Bitcoin und Ethereum sind öffentlich und genehmigungsfrei. Jeder kann die Software herunterladen, einen eigenen Knoten betreiben, die komplette Kette speichern und jede Transaktion selbst nachprüfen. Eine zentrale Stelle, die jemanden aussperren könnte, gibt es nicht. Beim Bitcoin war genau das die Idee: ein Geld, das nach der Finanzkrise von 2008 ohne Banken und Zentralbanken auskommt. Einen Knoten zu betreiben heißt allerdings nicht, Blöcke zu erzeugen. Das wird oft verwechselt. Mining lohnt sich beim Bitcoin nur noch mit Spezialgeräten, in großen Hallen, mit billigem Strom. Und wer bei Ethereum selbst Blöcke bestätigen will, braucht ein Pfand von mindestens 32 Ether. Mitlesen und nachprüfen kann also jeder. Mitbestimmen kann vor allem, wer viel investiert. Ihre Stärken spielen öffentliche Blockchains dort aus, wo Werte über Grenzen hinweg und ohne Vermittler übertragen werden sollen und wo jeder nachprüfen können soll, was geschehen ist. Für eines taugen sie nicht: für personenbezogene Daten. Gesundheitsdaten zum Beispiel haben auf einer öffentlichen Kette nichts zu suchen. Was dort steht, kann jeder lesen, und es lässt sich nicht mehr löschen. Mehr dazu in Folge 5, Blockchain und die DSGVO. Das Gegenstück ist die private Blockchain. Hier betreibt eine einzelne Organisation das Netz und entscheidet, wer lesen und wer schreiben darf. Den Zugang regelt man dabei nicht einfach mit einem Passwort, sondern über digitale Identitäten. Jeder Teilnehmer bekommt ein Zertifikat, und das Netz weiß jederzeit, wer was eingetragen hat. Private Blockchains sind schnell, weil sich nur wenige, bekannte Rechner einigen müssen. Sie brauchen kein energiehungriges Mining. Und vertrauliche Daten bleiben im Haus. Genau da liegt aber die Frage, die man sich bei jeder privaten Blockchain stellen sollte: Wozu dann überhaupt eine Blockchain? Wenn ohnehin eine Organisation alles kontrolliert, kann sie die Regeln ändern, Einträge zurücksetzen und im Zweifel neu anfangen. Der wichtigste Vorteil einer Blockchain, dass niemand allein die Kontrolle hat, ist dann weg. In vielen solcher Fälle leistet eine gewöhnliche Datenbank mit sauberem Änderungsprotokoll dasselbe, nur einfacher. Spannender wird es, wenn sich mehrere Organisationen ein Register teilen, die einander nicht ganz trauen, aber zusammenarbeiten müssen. Dafür gibt es Konsortium-Blockchains. Jedes beteiligte Unternehmen betreibt eigene Knoten, und neue Einträge gelten erst, wenn eine vereinbarte Zahl von Partnern zugestimmt hat. Bekannte Plattformen dafür heißen Hyperledger Fabric und Corda. Ein Konsortium ist also eine eigene Bauform und nicht bloß ein Gremium, das über Änderungen am Programmcode abstimmt. Ein solches Gremium braucht es allerdings zusätzlich. Denn irgendjemand muss regeln, wer aufgenommen wird, wer die Kosten trägt und was passiert, wenn ein Partner aussteigt. Und genau daran sind viele Konsortien gescheitert, nicht an der Technik. Drei Beispiele, alle aus dem Jahr 2022. Im Juni gab we.trade auf, eine Plattform für Handelsfinanzierung, die zwölf europäische Banken gegründet hatten, darunter die Deutsche Bank. Im November stoppte die australische Börse den Umbau ihres Abwicklungssystems auf Blockchain-Basis, nach rund fünf Jahren Entwicklung und mit einer Abschreibung von rund 250 Millionen australischen Dollar. Und Ende November kündigten die Reederei Maersk und IBM das Ende von TradeLens an, einer Plattform für die Lieferketten der Containerschifffahrt. Die Begründung: Die nötige Zusammenarbeit der ganzen Branche sei nicht zustande gekommen. Im Frühjahr 2023 ging TradeLens vom Netz. Es gibt aber auch Konsortien, die weitermachen. Die Europäische Kommission hat mit den Mitgliedstaaten die Europäische Blockchain-Dienste-Infrastruktur aufgebaut, kurz EBSI, ein Netz mit Knoten in vielen Ländern. Darüber sollen sich zum Beispiel Nachweise aus Bildung und Sozialversicherung grenzüberschreitend prüfen lassen. Seit Mai 2024 gibt es dafür einen eigenen Zusammenschluss mehrerer Mitgliedstaaten, der das Netz in den Regelbetrieb führen soll. Eine hybride Blockchain verbindet einen privaten und einen öffentlichen Teil. Die eigentlichen Daten, etwa Verträge oder Lieferscheine, bleiben in einem geschützten, privaten System. Auf eine öffentliche Blockchain wandert nur ihr Fingerabdruck, der Hashwert, aus dem sich die Daten nicht zurückrechnen lassen. Später kann jeder prüfen, dass ein Dokument zu einem bestimmten Zeitpunkt in genau dieser Form existiert hat, ohne den Inhalt zu kennen. So lassen sich Vertraulichkeit und öffentliche Nachprüfbarkeit verbinden. Ein Allheilmittel ist das nicht. Ob die Daten stimmen, die jemand einträgt, beantwortet auch die beste Blockchain nicht. Sie bewahrt Daten, sie prüft nicht, ob sie wahr sind. Bleibt das Problem, das im ersten Teil schon anklang: Öffentliche Blockchains sind langsam und bei großem Andrang teuer. Wenn alle gleichzeitig in die Kette wollen, steigen die Gebühren, und wer zu wenig zahlt, wartet. Die Antwort darauf heißt Layer 2, also zweite Schicht. Die Idee: Viele Transaktionen werden außerhalb der eigentlichen Blockchain abgewickelt, und nur das Ergebnis wird gebündelt in die Hauptkette eingetragen. Die Hauptkette bleibt die Instanz, die am Ende entscheidet und absichert. Beim Bitcoin gibt es dafür das Lightning-Netzwerk. Zwei Teilnehmer öffnen einen Zahlungskanal, schicken sich darin beliebig oft Beträge hin und her, und erst beim Schließen landet der Saldo auf der Blockchain. Bei Ethereum sind sogenannte Rollups verbreitet. Sie fassen Hunderte Transaktionen zu einem Paket zusammen und legen es mit einem Nachweis auf der Hauptkette ab. Seit einem Update im März 2024 können Rollups ihre Daten dort deutlich günstiger ablegen. Die Gebühren auf diesen Netzen sind seitdem stark gesunken. Eine zweite Schicht ist übrigens keine hybride Blockchain mit privatem Teil. Sie ist meist genauso öffentlich wie die Kette, auf der sie aufsetzt. Und zwei Namen, die in diesem Zusammenhang oft fallen, gehören gar nicht hierher. Chainlink ist ein sogenanntes Orakel-Netz. Es bringt Daten von außen auf die Blockchain, etwa Wechselkurse, damit Smart Contracts damit rechnen können. Und Polkadot ist ein Verbund mehrerer Blockchains, die über eine gemeinsame Hauptkette verbunden sind und sich deren Sicherheit teilen. Wo es viele Blockchains gibt, will man Werte von der einen zur anderen bringen. Dafür gibt es Brücken. Sie sind praktisch und zugleich eine der größten Schwachstellen. Bei einem Angriff auf die Ronin-Brücke, die zu einem Blockchain-Spiel gehörte, wurden im März 2022 Kryptowerte im Wert von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar gestohlen. Wer Werte über eine Brücke schickt, muss der Brücke vertrauen. Und damit ist ein Teil des Versprechens, niemandem vertrauen zu müssen, wieder dahin. Zum Schluss eine Faustregel. Willst du Werte übertragen oder Einträge sichern, die jeder ohne Erlaubnis prüfen können soll, ist eine öffentliche Blockchain die richtige Wahl, für Zahlungen im Alltag mit einer zweiten Schicht. Teilen sich mehrere Unternehmen ein Register und will keines dem anderen die Führung überlassen, kommt ein Konsortium infrage. Aber nur, wenn vorher geklärt ist, wer was bezahlt, wer was entscheidet und wie man wieder aussteigt. Brauchst du Vertraulichkeit und trotzdem einen öffentlichen Beleg, hilft eine hybride Lösung. Und kontrolliert ohnehin eine einzige Organisation alles, ist eine gute Datenbank meistens die bessere Wahl als eine private Blockchain. Personenbezogene Daten gehören in keiner dieser Formen direkt auf die Kette. Allenfalls ihr Fingerabdruck – und selbst das will gut überlegt sein. Das war "Welche Blockchain für welchen Zweck?", Teil zwei von zwei zur Blockchain, im Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik. Ein Hinweis, der bei diesem Thema dazugehört: Die Folge gibt einen Überblick nach dem Stand vom Oktober 2026 und ersetzt keine Finanzberatung. Die Quellen findest du in den Shownotes. Wer tiefer einsteigen will: Das Buch "Blockchain, Kryptowährungen, NFTs und ICOs" von Brigitte E. S. Jansen ist im Oktober 2026 in einer erweiterten Neuauflage erschienen, als E-Book und gedruckt. Die Angaben dazu findest du ebenfalls in den Shownotes. Diese überarbeitete Folge wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz überarbeitet – bei der Recherche, beim Schreiben und beim Sprechen. Ausgewählt, geprüft und verantwortet hat sie ein Mensch. Wenn dir etwas fehlt oder dir ein Fehler auffällt: schreib uns. Einwände greifen wir in späteren Folgen auf. Alle Folgen findest du auf gfa-ev.com. Und auf gfaev.de findest du den Verband und unsere übrigen Podcastreihen. Bis zum nächsten Mal. Ich freue mich auf dich.

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